drsl: de.rec.sport.laufen
www.drsl.de/berichte
drsl

Rennen

kmspiel

dein Menü
Du bist (z.Zt.) nicht angemeldet.
Login

Sonstiges
drsl-Post
rid.drsl Laufrätsel
Sudibu Onlinespiel
4bumi Onlinespiel
drsl intern
Impressum
Datenschutz

(Javascript deaktiviert?
 alles aufklappen)

[ Übersicht | Bericht suchen | Neuen Bericht schreiben ]

DRSL-Rennberichte

Bericht

Name des Laufes:Brockenmarathon / 25. Harzgebirgslauf
mehr zum Lauf: VID19
Datum des Laufes:12.10.2002 (Sat)
Ort:Wernigerode
Plz:D3
Homepage:http://www.harz-gebirgslauf.de/
Strecken:MA, 22k, 11k
Beschaffenheit:hauptsächlich Waldwege
Profil:Berg
Wetter:kalt bis sehr kalt (2 bis -3°C), trocken, böiger Wind oben
Teilnehmer:MA 757 Finisher, insgesamt ca. 3500
Name des Berichtenden:(nur für eingeloggte Nutzer sichtbar)
(Autor-LID zuordnen: Login und [Edit])

Bericht vom 14.10.2002 (Mon)
Seit einiger Zeit reizt mich die Herausforderung Brocken-Marathon. Dieses Jahr sollte es zeitlich endlich klappen und im August meldete ich mich für mehr als preiswerte 15 ? für die 25. Jubiläumsveranstaltung an. Überrascht war ich am vergangenen Donnerstag, also 2 Tage vor dem Lauf, als ich im Briefkasten meine Startnummer fand und mich so fragte, wie die Läufer mit eigenem Chip an selbige kämen, wenn sie bereits ein paar Tage vorher zwecks Urlaub Richtung Harz aufgebrochen waren.

Nachdem ich in der vergangenen Woche die Lauftreffseiten beinahe etwas vernachlässigt und statt dessen immer wieder die Prognosen auf WetterOnline aufgerufen hatte, um jedes Mal festzustellen, dass die vorhergesagten Temperaturen immer weiter in den Keller fielen, stellte ich mich seelisch und moralisch schon einmal auf eine Kälteschlacht ein und packte alle Sorten Handschuhe und Laufjacken ein, die sich so im Schrank fanden. Wenn schon keine Bestzeiten bei diesem Wetter zu erwarten waren, also persönlicher Brockenrekord für mich als Ersttäter war ja quasi garantiert, vielleicht konnte zudem der Kälterekord von der Jungfrau im vorigen Jahr bei 2°C oben unterboten werden.

Nach unspektakulärer Anfahrt mit dem Auto suchten wir zunächst einmal das berühmte Rathaus in Wernigerode auf, wo die Startunterlagen ausgegeben wurden. Zu meinem Leidwesen musste ich feststellen, dass es eingerüstet und daher nicht in voller Pracht zu bewundern war. Wernigerode selbst ist ein schickes Städtchen mit vielen Fachwerkhäusern und sicherlich nicht nur wegen der schönen Landschaft mal einen Besuch wert. Nachdem alles Organisatorische erledigt war, fuhren wir zu unserer Ferienwohnung nach Ilsenburg. Es hatte mich knapp 2 Wochen vorher doch einige Telefonate gekostet, um überhaupt noch eine Unterkunft zu bekommen und so waren wir ob des Ausblicks auf das Schloss mehr als angenehm überrascht. Wie üblich noch ein paar Nudeln und Hefeweizen rundeten den Abend ab.

Am nächsten Morgen war ich erfreulicherweise ganz gut ausgeschlafen und überlegte hin und her, was ich angesichts der gerade mal 2 Grad über Null nun wirklich anziehen sollte. Meine Entscheidung für ein langes Unterhemd und weitere 2 Funktionslangarmhemden sollte sich als goldrichtig erweisen ? allerdings nur in Verbindung mit der mitgenommenen Jacke, in die ich noch eine dickes Stirnband und dicke Handschuhe packte, die dünnen zog ich nebst einem Tuch als Kopfbedeckung gleich an. Sehr zum Unverständnis meiner Frau komplettierte doch nur eine kurze Tight mein Winter-Outfit.

Kaum war ich fertig mit meinen Vorbereitungen und kurz nachdem ich mich in das Starterfeld eingereiht und der Sprecher uns an die ?3° C oben erinnert hatte, zählten alle gemeinsam von 10 auf 1 herunter, es ertönte der Startschuss und so gut wie ohne jedes Gedrängel setzte sich der Tross in Bewegung. Ich hatte ordentlich trainiert und fühlte mich gut in Form, außerdem war ich gespannt, wie ich den steilen Part zum Brocken hoch bewältigen würde, an die Bergabstrecke wollte ich noch gar nicht denken, auch wenn sie mir eigentlich mehr Respekt einflößte. Der Himmel war noch recht grau, aber es sah nicht nach Regen aus ? Gott sei dank. Die Strecke verlief auf ganz gut ausgebauten Wanderwegen, dennoch musste man gut achtgeben , nicht auf einem Stein oder in einem Loch zu landen und ich freute mich, doch die wesentlich stabileren Trabucco den Air Structure Triax vorgezogen zu haben. Es lief rund und bis Ilsenburg bei Kilometer 8 galt es, ca. 170 Höhenmeter auf hügeligem Terrain zu bewältigen. Vor einem Hotel machte eine Sprecher etwas Stimmung und so erfuhr ich, dass ich noch vor dem ersten Hund lag, der später bei Kilometer 18 beinahe an mir vorbeizog, ich weiß nicht, wer dann doch den kürzeren Atem hatte, Tier oder Herrchen. Könnte aber auch sein, dass der teilweise vereiste Untergrund für den Vierbeiner doch etwas gefährlicher war. Aber ich greife vor.

Erst mal gab es die erste Verpflegungsstelle, an der ich meinen ersten Vergleich zwischen am Rennsteig und nun im Harz bereiteten Schleim ziehen konnte ? und letzterer kann da gut mithalten, zumal bei der frischen Luft meinem Magen jede Wärme wie auch die vom Tee willkommen war. Nun begann der eigentliche Anstieg, der jedoch erst einmal auch läuferisch sehr gut zu bezwingen war, zumal der Untergrund auf einem glatten Fahrweg entlang der Ilse verlief. Und siehe da, die Sonne ließ sich sogar einmal blicken und schickte ein paar Strahlen durch die Baumkronen in die malerische Landschaft. Die ersten Endorphine ließen auch nicht lange auf sich warten. Immer wieder mal überholten wir ein paar Wanderer, solche, die an einer offiziellen 25km-Wanderung teilnahmen und auch recht viele, die einfach so der herrliche Landschaft genossen und uns aufmunternde Blicke zuwarfen ? mal was anderes als der Hype bei den großen Stadtmarathons. Je höher wir kamen, um so kühler fühlte sich die Luft an, als wir jedoch nach 16 km nach links auf den berüchtigten Plattenweg einbogen und wir durch die weniger und kleiner werdenden Bäume beinahe ungeschützt dem Wind ausgesetzt waren, wurde es richtig kalt. Ich gratulierte mir zu der Entscheidung, meine Jacke nur umzubinden, es wurde durch deren Anziehen erst einmal wieder etwas wärmer. Wenig später kramte ich auch mein Windstopper-Stirnband hervor und meine Ohren konnten sich nun ganz auf das Rauschen des Windes konzentrieren. Zudem galt es nun, mit großen Schritten wenigstens einigermaßen voranzukommen ? an Laufen war zumindest für mich nun nicht mehr zu denken. Ich habe vor mir auch nur 2 Leute gesehen, die es noch laufend probiert haben, schneller waren sie allerdings auch nicht. Wie vorhin schon erwähnt hatten sich an einigen Stellen die Pfützen in Eis verwandelt und man musste höllisch aufpassen nicht wegzurutschen. Bisweilen drehte ich mich um und es gab einen tollen Blick auf einen blauen See und das nähere Umland. Weiter oben hatte ich dafür keinen Sinn mehr.

Das Spannende bei dieser Form des Berganlaufs ist für mich, den richtigen Moment zum Wiederloslaufen zu finden. Das ist eigentlich der Augenblick, wo man sich richtig überwinden muss, den Muskeln einredet, wir wären ja schließlich nicht zum Wandern hergekommen ? und schließlich haben wir ja auch so früh am Morgen den Weg aus dem Bett gefunden. Es gab 2 oder 3 Stellen, an denen mir das diesmal gelang. Und auch am Ende ? kurz vor dem Gipfel des kleinen Brockens passte alles ? kurz nach dem Wiederantritt, das Tosen des kalten und grimmigen Windes im Gesicht und die Kälte, die den ganzen Körper aufsog, hatte ich so einen Kick, wie das letzte Mal vor einem Jahr an der Endmoräne beim Dudelsackspieler ? es war einfach der Wahnsinn. Und so konnte mich der eisige Wind nicht wirklich aus der Fassung bringen. Irgendwo hatte ich gelesen, nach dem Anstieg zum Kleinen Bruder des eigentlichen Gipfels ginge es nur noch mäßig bergan, aber was an Steigung nicht mehr da war, wurde umso mehr durch den Wind ausgeglichen. Es gab da noch einen Abschnitt, auf dem Laufen unmöglich wurde, selbst gehend kamen wir kaum voran, ein paar Böen schienen verhindern zu wollen, dass wir je den Gipfel erreichen. Ab und an hielt ich meine Hand vor den Mund, um wenigstens einigermaßen Luft zu bekommen, so kalt blies uns der Wind entgegen. Ich sage nur Windschattenlaufen ? mit Führungswechsel, ich weiß nicht ob freiwillig, jedenfalls stürmten wir zu fünft dicht beieinander die letzten Schritte den Berg hinauf . Und dann war es geschafft ? ich riss die Arme hoch und jubelte ? das Rennen war gelaufen (1:52:xx). Nun ja, nicht ganz - es waren noch 23 km fast ausschließlich bergab ohne Sturz und Verletzung zu überstehen.

Wie neben dem Brandenburger Tor (alle Berlin-Marathonis wissen vielleicht, was ich meine) keinen anderen Ort empfinde ich den Brocken als Symbol der deutschen Einheit und bin sehr glücklich, hier oben zu sein und ihn dabei auch noch mehr oder weniger laufend bezwungen zu haben.

Oben gab es leider keine Matte für die Zeitmessung ? mich hätten diese Zwischenzeiten beinahe mehr interessiert als die Endzeiten, aber es standen ein paar Leute von der Streckenaufsicht da, einer schien Startnummern zu notieren und so öffnete ich meine Jacke, um nicht Gefahr zu laufen, wegen nicht zu sehender Startnummer aus der Wertung zu rutschen. Meine Hände fühlten sich trotz der Handschuhe arg kalt an und so musste ich erst einmal kurz stehen bleiben, um den Reißverschluss wieder schließen zu können, dann entschloss ich mich, besser meine dicken Handschuhe anzuziehen, also das war wirklich hart und ich spürte meine Finger kaum noch; 2-3 Kilometer weiter war wieder alles ok. Wenn ich bedenke, dass einige Mitstreiter ohne Handschuhe, andere sogar komplett in kurz unterwegs waren, wird mir jetzt noch kalt. Der kurz darauf folgende Verpflegungspunkt war wie die anderen auch hervorragend ausgestattet, die Leute alle herzlich und nett ? vielen Dank dafür an dieser Stelle. Auch wenn die Schleim-Rufe irgendwie grotesk wirken ? ich fühle mich immer an eine Futurama-Folge erinnert ? aber es wirkt.

Die nächsten Kilometer gingen auf einer asphaltierten Straße recht zügig bergab und nach ein paar hundert Metern hörte das Brausen des Windes schlagartig auf und es wurde beinahe gespenstisch still. Nein keine Geister und Brockenhexen, eine solche sollte es als Modell im Ziel anstelle einer Medaille geben, eine tolle Idee, wie ich finde ? eine Menge Wanderer, die uns nun entgegenkamen, feuerten uns an und ließen der Ruhe keinen Raum mehr.
Nun zeigte sich, dass es doch einige passionierte Bergabläufer gibt, die zügig an mir vorbeipreschten, aber ich versuchte, möglichst knieschonend herunterzukommen. Der Puls hatte sich längst wieder beruhigt, die Straße wurde wieder durch Waldwege abgelöst und die Kilometerschilder (jeder war tatsächlich beschriftet, wenn auch offensichtlich nicht immer wirklich in km-Abständen) flogen nur so an uns vorbei. Eine ungewohnte Erfahrung, wenn man wie ich normalerweise auf dem letzten Streckenabschnitt immer langsamer wird. Endlich einmal ein negativer Split - das habe ich noch nie geschafft.

Ab Km 32 geht es noch einmal 60 Höhenmeter hinauf, diesen Tempowechsel empfand ich als recht hart, es ging aber gut, die Oberschenkel bemerkten nun aber mehr das Bergab- als das Bergauflaufen. Immer wieder konnte man ganz schöne Ausblicke genießen, aber meist war der Blick auf den Weg gerichtet, um bloß nicht zu stürzen: Ein weiterer und schließlich letzter Anstieg führte uns bei km 37 wieder mit den 22-Kilometer-Läufern zusammen, so dass wieder etwas mehr los war auf der Strecke, es in Zielnähe jedoch schwierig wurde zu überholen, zumal der Weg wieder steiler und schmaler wurde. Es war wieder spürbar wärmer geworden (unten waren dann so um die 4 Grad), so dass ich zwischenzeitlich meine Handschuhe wieder ausgezogen hatte. Zur 2. Hälfte des Laufes kann ich sagen, dass es irgendwie keine rechte Belastung mehr gab, an der man sich die Zähne ausbeißen konnte ? das Tempo war hauptsächlich durch das Gefälle bestimmt, die Zeit verliert oder gewinnt man definitiv am Anstieg. Insofern gefallen mir Läufe mit Gipfelankunft besser, aber die Zielankunft war dennoch wie bei fast jedem Marathon (außer bei denen, die man vergeigt) ein erhebendes Gefühl des Glücks ? meine Uhr zeigt 1235 Höhenmeter und ich könnte heulen vor Freude.

Die Frau in den Arm nehmen, ganz schnell warme Klamotten anziehen, die Freunde begrüßen und nach einer halben Stunde und der Fahrt zur Unterkunft das persönliche Zielbier und die warme Dusche genießen (ja, in der Reihenfolge) ? diese Müdigkeit in den Gliedern ist nach vollbrachtem Tagewerk mehr als angenehm.

Über den Sportlerball am Abend decke ich besser den Mantel des Schweigens, um den sonst so positiven Gesamteindruck nicht zu schmälern. Allerdings scheint Tanzen durchaus ein probates Mittel zur Regeneration und Vermeidung von Muskelkater zu sein, jedenfalls war am nächsten Morgen ein ausgedehnter Spaziergang mit auch einigen Höhenmetern (auch bergab) kein Problem.
Als wir zudem auf der Heimfahrt aus dem bis dahin trockenen Harz in regelrechtes Schneegestöber gerieten, bedenkt man den gerade begonnenen Oktober, fand ich das Wetter im Nachhinein wieder ganz angenehm zum Laufen.

Der Harz-Gebirgslauf hat mir ausnehmend gut gefallen, ist sehr gut organisiert und war ein schöner Saisonabschluss. Neben dem Marathon ist es möglich, auch auf 11 oder 22 Kilometern die Schönheit der Natur zu genießen und auch so einige Anstiege zu bezwingen. Ich werde bestimmt wieder einmal dabei sein.

Gruß Henning.
Diskussion:(drslv-Message-ID zuordnen: Login und [Edit])

zurück

Hinweis: um den Bericht in de.rec.sport.laufen.veranstaltungen zu posten, müssen 1. die technischen Voraussetzungen vorhanden sein (Newsserver oder Webdienst, s. Usenet?), 2. der Artikel als reiner Text kopiert werden (Ansicht als Template und Strg-C) und 3. manuell als Artikel vom Newsprogramm abgeschickt werden (Strg-V und SENDEN)


Diese Seite ist zu erreichen unter https://www.drsl.de?bericht=21
Startseite: https://www.drsl.de